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Demokratie in der Kirche

In der Landeshauptstadt und einzelnen Gemeinden der Region München, die zum evangelischen Dekanat München gehören, gibt es rund 270.000 Kirchenmitglieder in 68  Kirchengemeinden. Jede Gemeinde wird von einem Kirchenvorstand geleitet.

Was macht ein Kirchenvorstand?
Evangelische Frauen und Männer ab 18 Jahren können sich für das Ehrenamt eines Kirchenvorstehers oder Kirchenvorsteherin bewerben. Der Kirchenvorstand besteht - je nach Gemeindegröße - aus vier bis fünfzehn gewählten und berufenen Mitgliedern und Pfarrer/innen. Ihnen obliegt gemeinsam die Leitung der Gemeinde. Eine Wahlperiode dauert sechs Jahre.

Aufgaben des Kirchenvorstandes
Ein Kirchenvorstand wirkt mit bei der Gestaltung des kirchlichen Lebens in der Gemeinde, setzt die Gottesdienstformen und liturgischen Handlungen und die Einführung neuer Gottesdienste und Gottesdienstzeiten fest. Er ist bei der Besetzung der Pfarrstellen beteiligt und entscheidet über die Stellen für hauptamtliche Mitarbeiter/innen. Der Kirchenvorstand überwacht den Finanzhaushalt der Gemeinde. Er legt die Schwerpunkte der Gemeindearbeit fest (z.B. Kirchenmusik, Jugendarbeit, diakonische Arbeit) und entscheidet über den Gebrauch der kirchlichen Gebäude. Der Kirchenvorstand entsendet einzelne Mitglieder in die regionalen Kirchenparlamente, die Synoden, und wählt Delegierte für die Landessynode.

Gesunder Mix
"Menschen mit unterschiedlichstem Background sollten in den Kirchenvorstand gewählt werden," so Stadtdekanin Barbara Kittelberger, "idealerweise wird in diesem Gremium die gesamte Gemeindewirklichkeit abgebildet - Erwerbslose genauso wie Alleinerziehende oder Manager." Auch ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern sollte angestrebt werden, meint die Dekanin. Der Kirchenvorstand lebe von der Kontinuität der langjährigen Mitglieder, aber auch vom frischen Wind der Neuen. Wichtig sei es, Kirchenferne genauso einzubinden - eben die ganze Vielgestaltigkeit einer Gemeinde.

Verwalten und Gestalten
Wie arbeitet eigentlich ein Kirchenvorstand? Die Teilnahme an seinen regelmäßigen Sitzungen ist sozusagen das Grundgeschäft. Je nach örtlicher Gepflogenheit finden sie monatlich oder auch in größeren Abständen statt. Verwalten und Gestalten - zwischen diesen beiden Polen wird wohl jedes Mitglied im Kirchenvorstand den Bereich entdecken, in dem die eigenen Interessen und Fähigkeiten besonders zur Geltung kommen können.

Lust an der Vielfalt
In zahlreichen Kirchenvorständen gibt es Ausschüsse (z.B. Personal, Kindergarten) oder spezielle Beauftragte (z.B. Ökumene, Mission). Kirchenvorstände können also ihr Spezialwissen anwenden oder solches sich aneignen. In vielen Gemeinden wirken Kirchenvorstände im Gottesdienst mit. Sie übernehmen z.B. die Lesungen oder teilen die Kommunion mit aus. All das will abgesprochen und eingeübt sein.

Demokratie in der Kirche
Die Kirchenvorstände spielen eine wichtige Rolle in den Kirchen der Reformation. Die Vorstände und die aus ihnen hervorgehenden Kirchenparlamente auf regionaler Ebene (Prodekanats- und Dekanatssynoden) und bayernweiter Ebene (Landessynode) sind nach protestantischem Verständnis entscheidend an der Leitung der Kirche beteiligt. Kirchenvorstandswahlen sind dementsprechend ein Herzstück in der Arbeit der evangelischen Kirche.

Der Apostel Paulus beschreibt im 1. Korintherbrief die Gemeinde als "Organismus, in dem alle Körperteile einander dienen, ohne dass eine Überordnung oder Unterordnung erkennbar wäre", erläutert Pfarrer Andreas Ebert, warum die Kirchen der Reformation ein demokratisches Kirchenverständnis haben. Martin Luther prägte demgemäß das Wort vom "Priestertum aller Gläubigen". Jede Christin und jeder Christ hat eine unmittelbare Gottesbeziehung und bedarf keiner priesterlich vermittelnden Amtsperson, um zum Heil zu kommen.

Ein solches Verständnis von Kirche kommt in der Stellung des Kirchenvorstands als Repräsentant der Mitglieder einer Gemeinde, der nach demokratischen Grundsätzen arbeitet, zum Ausdruck.

Wer darf wählen
Wählen dürfen alle Kirchenmitglieder ab 16 Jahren - und ab Vollendung des 14. Lebensjahres, wenn sie konfirmiert sind oder werden. 

Wählen kann man auch per Briefwahl. Die Briefwahlunterlagen können beim jeweiligen Pfarramt formlos schriftlich oder mündlich angefordert werden. Der Antrag sollte möglichst eine Woche vor der Wahl beim zuständigen Pfarramt gestellt werden.

Kirchenvorstandswahlen 2006
Für die Kirchenvorstandswahl hat die bayerische Landeskirche 2006 das Motto "Aufkreuzen für die Gemeinde" gewählt. "Kreuzt auf und kreuzt an. Eure Gemeinde braucht Eure Stimme."

Wahlergebnisse 2006
Übersicht Wahlergebnis Kirchenvorstandswahl 2006 - Wahlbeteiligung in den einzelnen Prodekanaten in Prozent:

ProdekanatWahlbeteiligung 2006Wahlbeteiligung 2000Plus
Mitte5,2 %5,1 %0,1 %
Nord10,6 %9,4 %1,2 %
Ost12,1 %11,1 %1,0 %
Süd9,0 %7,5 %1,5 %
Südost10,9 %9,7 %1,2 %
West11,1 %9,6 %1,5 %
Durchschnitt9,8 %8,7 %1,1 %